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Das folgende Interview wurde vom Magazin „Mystery News“ veröffentlicht.

 

Was hat Sie dazu geführt, Krimis zu schreiben? Warum dieses Genre?

  

Genre - was für ein Ausdruck! Das klingt wie eine tropische Krankheit. Ich mag einfach Bücher, die nach der für mich wichtigsten Frage des 21. Jahrhunderts fragen:  Wem kannst du vertrauen? Für mich ist diese ausgetauscht worden mit der traditionellen Frage des Krimis. Und da meine Charaktere alles hinterfragen-  die Autoritäten oder die Menschen, die dir nahe stehen- führt mich dies zum Krimi - oder Thrillerbereich.

 

Erzählen Sie uns mehr über die Entstehung, den Charakter des Tom Fletcher, faszinierender Kerl, der er nun mal ist.

 

 

Ich mag es, wenn Krimifiguren 3 Ebenen haben. Ich gebe Ihnen ein Beispiel. Der Grund, warum The Sopranos so gut funktioniert hat, war, weil man fähig war, die Ebenen des Charakters zuerkennen: Ebene 1- Es dreht sich alles um Gangster! Ebene 2- die Gangster sind aber Schurken mit einer menschlichen Seite. Schlau gemacht! Aber dann Ebene 3 und die haut dich um -  Es gibt keine menschliche Seite. Sie verhalten sich menschlich, aber  unter dieser Fassade sind sie vollkommen zynisch. Mit Fletcher verhält es sich genauso, Level 1: Er ist der coole, smarte Bulle. Level 2: Er hat Schwächen. Level 3: Nein, er ist gar nicht schwach, eigentlich ist er sehr stark und loyal zum dem, was er für richtig hält, auch wenn dies die Zerstörung seiner Polizeikarriere bedeutet.

 

 

Nun, was hat Sie dazu gebracht, Fletcher am Ende von „Corn Dolls“ aus der Polizei austreten zu lassen und ihn im nächsten Buch als Privatdetektiv ermitteln zu lassen? Dachten Sie, ein Leben als Polizist sei zu einschränkend?

 

 

Ich wollte keine Serie schreiben, in der sich der Kontext des Charakters ständig wiederholt: das gleiche Büro, die gleichen Freunde, die gleiche Musik. Schauen Sie sich die Bücher von Jack Reacher an- jedes Mal eine andere Stadt  und immer eine brillante Handlung. Deshalb wollte ich  seinen Job ändern und nicht, weil er in der Polizei ist. Außerdem habe ich Cathleen ja beibehalten, seine Langzeit-Leidenschaft in seinem Leben. Hey, einige Sachen kann man einfach nicht ändern!

 

 

Warum haben Sie mehrere Jahre zwischen den Büchern vergehen lassen? Es sieht so aus, als würden viele Schriftsteller in der „wirklichen Zeit“ schreiben. Finden sie das ungeschickt?

 

 

Ich denke, dass, besonders da die Geschwindigkeit des globalen Wandels zunimmt, Menschen alle paar Jahre  große Veränderungen  wahrnehmen. Ich nehme sie wahr. Und ich wollte, dass die Bücher wichtige Wendungen  einfangen, die auch auf Anklang bei den Lesern stoßen.

 

 

Sie haben offensichtlich eine Faszination für die antike und moderne Geschichte. Das erinnert mich ein wenig an den anderen „Fenland“-Autor, Jim Kelly. Hat Cambridge irgendetwas Besonderes an sich, wo die Vergangenheit so auffällig ist, dass man ihr nicht entkommen kann?

 

 

Cambridge hat einen gewaltigen Mix aus dem Antiken (Colleges, Kirchen) und dem Futuristischen (die Militäreinrichtungen, Labore und Forschungsanlagen). Ich habe versucht, diese Mischung als Hintergrund für meine Bücher zu benutzen.

 

 

In einem Interview mit Jim Kelly erzählte er mir, dass er fühlt, dass die „Fens“ eine großartige Atmosphäre für das Morden bieten. (Sein Favorit ist „The Nine Talors“) Was hat Sie  inspiriert, diese Kulisse zu wählen? War es, weil sie die Gegend so gut kannten oder weil sich die Möglichkeit ergab?

 

 

Ich weiß nicht so richtig, auch wenn ich ursprünglich ein Cambridge-Junge bin, aber das ist wahrscheinlich nicht der Grund. Ich hatte einmal die Idee, dass die „Fens“ eine Art psychologische Metapher  sind: man findet dort überall dieses gefährliche Wasser  unter der Oberfläche; du musst es entweder kontrollieren können oder du versinkst! Wie sinnvoll! Aber jetzt denke ich, dass die Region viel von den Sachen bietet, die mir an Büchern und Filmen gefallen: großartige Sonnenuntergänge, Militärstationen und Menschen, die über ihre Vergangenheit rübeln.

  

 

Was für Abenteuer stehen uns im nächsten Buch „Cut Out“ bevor?

  

 

In „Cut Out“ hat Tom Fletcher endlich das perfekte Leben, welches er immer haben wollte, als Kleinbauer mit seiner geliebten Cathleen, gefunden. In der Nähe allerdings gibt es  eine Armeebasis mit einem Regiment, das gerade nach Afghanistan verschifft wird. Ein dazugehöriger Filmemacher erschießt sich  und seine letzten Worte waren Tom Fletchers Name. Hiermit beginnt alles.

 

 

Der Titel und das Design des Covers von „Cut Out“ haben ein anderes Layout als das von „Corn Dolls“ und „Steel Witches“. Was ist passiert?

 

 

Das dritte Buch hat einen weniger historischen und regionalen Hintergrund als die zwei ersten Bücher. Die Handlung  findet gegenwärtig teils in den „Fens“ und in London statt, aber auch in Afghanistan.  Ich denke, das neue Cover fängt diesen Wandel wirklich gut ein.

 

 

Sie wurden mit Mo Hayden und Mark Billingham  verglichen. Stehen Sie nicht unter Druck?

 

 

Sein wir mal ehrlich, meine Bücher haben derzeit erst einen treu ergebenen, aber kleinen Kult begründet. Es wäre wunderbar, wenn ich das weiter ausbauen könnte.

 

 

Geben Sie uns bitte einen kleinen Eindruck, wie Sie die Ideen für die zwei Romane bekommen haben. Ein Bruchstück Volksgeschichte über Strohpuppen? Eine Begeisterung für Hexen/ 2. Weltkrieg?

 

 

Einer der größten Stränge in meinen Büchern ist die Wahrnehmung der Männer von Frauen, besonders wenn es um Frauenfeindlichkeit geht. Manche Symbole rufen dies in mir hervor, wie zum Beispiel kleine Strohpuppen, die von Bauern hergestellt werden, oder Bilder von Pin-up Girls, die von amerikanischen Piloten im 2. Weltkrieg an die Flugzeuge gemalt worden sind. Ich dachte, das wären gute Anfangspunkte gewesen.

 

 

Wie sieht Ihr Arbeitstag aus? Versuchen Sie immer noch, Schreiben mit Ihrer Geschäftskarriere unter einen Hut zu bekommen?

 

 

Ja, in der Tat! Ich habe ein eigenes Unternehmen und mache mir Zeit zum Schreiben und überarbeite meine Texte für mehrere Stunden meistens nachmittags.

 

 

Sind Sie ein Plotter? (Ich las einmal, dass PD James  jedes kleinste Detail ihrer Handlung in ihrem Kopf ausgelegt hat, bevor sie beginnt, während Ian Rankin mir erzählte, dass er keine Ahnung von seinem Krimi am Anfang hat.) Wo ordnen Sie sich ein?

 

 

Ich bin ein „Plotter“  in dem Sinne, dass ich alles über die großen Entdeckungen und Eskalationen der Bücher weiß, bevor ich anfange zu schreiben. Ich habe eine Idee für die Standardsituationen, besonders für die finalen zwei oder drei. Innerhalb derer fließen viele kleine Verbindungen erst während des Schreibens ein.  

 

 

Wen in diesem Genre bewundern Sie am meisten?  Fühlen Sie sich mehr von den britischen oder dem amerikanischen Krimi/Thriller angezogen?

  

 

Ich bin nicht wirklich geheimnisvoll. Mein liebster britischer Krimi ist „Jack’s Return Home“ von Ted Lewis (verfilmt als „Get Carter“). Ich bin ein großer Bewunderer von Dennis Lehane, James Lee Burke, Elmore Loenard. Was sehr nett ist, denn mit meinem Nachnamen bin ich alphabetisch sehr dicht auf den Bücherregalen  bei ihnen eingeordnet.

 

 

Wenn Sie Ihrem Bereich von Fiktion eine Bezeichnung geben müssten, was würde es sein?

 

 

Ich schreibe moderne Verschwörungsromane, die Menschen zeigen, die mit dem Staat und anderen Menschen uneins sind. Und ich gebe noch  große Sonnenuntergänge und Militäreinrichtungen dazu.

 

© Mystery News/Patrick Lennon 2009